Rundschreiben 6/2001  
   
  Liebe Freunde,

wieder stelle ich hier meine kontroverse Meinung Euch zur Diskussion.
Gerne wüßte ich Eure Ansichten zu den Themen -
Ich meine, es wird Zeit, meine Arroganz in ihre Schranken zu weisen, oder ?

Bitte entschuldigt diese massive Verspätung.
Aufgrund von erheblichen Computerproblemen
konnte ich dieses Rundschreiben erst jetzt absenden.
 

[1]
Schneller als ich erwarte (und das kann dauern),
bin ich wieder in Arbeit gewesen.
Ich sage aber auch immer gleich "ja".
(Weil ich so unspontan bin, daß ich mich nicht gleich entscheiden könnte.)

Am 12.6. und am 14.6. habe ich wieder mal als Komparsenbetreuer gearbeitet,
bei der Hollywood-Produktion "Leo und Max" mit Till Schweiger.
Es waren lange Arbeitstage, aber es gab auch viel Geld.
Während ich nichts zu tun hatte, lief mein Taxameter.
So liebe ich das - ich wollte gar nicht mehr, daß es vorbeigeht.

Gleich darauf folgend
habe ich für eine Filmproduktion aus dem Hessenland
am 18.6. und 19.6. als Fahrer gearbeitet,
weil sie sich nicht in Berlin auskannten.
Eigentlich waren das zwei vollbezahlte halbe Tage gewesen.
Es war schneller vorbei, als ich anfangen konnte.

Auch mußte ich am Freitag (29.6.) und Samstag (30.6.) und Mittwoch (4.7.)
auch noch kurz bei einer Werbung für BBC-News London einspringen,
die dabei waren die Berliner Mauer wieder aufzubauen,
um sie dann fiktional fallen lassen zu können.

Wahnsinn fängt im Kopf an.

Leider bringen mich so Tagelöhner nicht weiter in meiner Lebensplanung
und außer Geld erhalte ich keine andere Befriedigung dabei.
Ich weiß noch immer nicht, wohin ich will,
und die Orientierungslosigkeit greift um sich.

Ich denke jetzt fast,
daß das Chaos beim Film normal ist,
auch wenn es anders ginge,
und ich der falsche Faktor dabei bin,
denn ich kann solche Fehlorganisationen nicht ertragen,
wenn ich es anders machen würde.

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[2]
* Trauer des Tages *

Ich bin unendlich unglücklich mit meinem Leben.

Mein Leben war früher abenteuerlicher.
Heute habe ich die großen Ereignisse aus dem Blick verloren
und halte mich mit Nebensächlichkeiten auf.
Ich habe das Gefühl, weg zu müssen,
aber ich weiß nicht wohin.

"Wenn man nur weit genug geht,
begegnet man am Ende sich selbst."
Jean-Luc Picard

Aber vielleicht findet man das Entscheidende nicht, wenn man es sucht;
Erst recht wenn man keine Vorstellung hat, wie es aussieht.
Sicher weiß ich es, wenn ich es erreiche.
Das wußte ich schon immer.
Aber es war auch immer nur zeitweise da.

Viele führen ein recht geregeltes Leben.
Wir haben, was wir brauchen:
Ein Unterkommen, ein Einkommen, eine Sicherheit und etwas Zerstreuung.
Aber wo ist die flammende Leidenschaft ?

"Uns verbrennt die Nacht" + "Keiner kommt hier lebend raus"
Jim Morrison

Der Alltag nimmt sich schnell und still unseres Lebens an.
Unsere Zeit vergeht damit, diesen zu bewältigen.
Und einige glauben, damit das kleine Glück gefunden zu haben.

Ich kenne leider niemanden, der ein bemerkenswertes Leben führt.
Fragt Euch, ob euer Leben alles ist.

Leben und Arbeiten, Ausflüge und Reisen, Treffen und Ausgehen
mit oder ohne Freunde, sind schön, aber sicher nicht alles.

Das einzige Glück für mich ist:
Wenigstens plage ich mich noch mit diesem Zweifel.
Wenn ich glauben täte, ich wäre zufrieden mit meinem Leben,
wäre ich wohl tot oder eingeschlafen.
Es ist anstrengend, immer wach zu bleiben.

Ich will nicht sterben ohne die Erkenntnis,
etwas endgültig Großartiges erlebt zu haben.

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[3]
!! ACHTUNG !!

Am 21.7.2001 fahre ich für ein bis zwei Wochen in meine Heimat.

Ich nutze die angenehme Gelegenheit
dies mit einem Freund und einer Freundin
gemeinsam im Auto zu tun.

Jenes bedeutet,
wenn jemand noch etwas vorher mit mir machen möchte,
sollte er dies auch bald tun.

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[7]
* Freude des Monats *

Es gibt noch schöne Frauen auf der Welt !

Ich hatte tatsächlich eine Verabredung
mit der schönsten Frau der Welt.

Wenn ich beim Film arbeite,
dann tue ich eigentlich gar nichts anderes,
als die ganze Zeit mit netten und schönen Frauen zu flirten.
Das ich dafür sogar Geld bekomme ?!

Eigentlich geht es mir dabei um nichts,
außer den Spaß zu haben, charmant zu sein,
und ihnen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Manchmal werde ich bekanntermaßen dabei auch ziemlich direkt.
Und gerade als ich - wirklich aus Versehen - schon beinahe unverschämt wurde,
war eine Frau von meinem Interesse so angetan, daß sie mir ihre Telefonnummer gab.

Die Verabredung hat nur den einen Haken:
Sie ist wirklich die schönste Frau der Welt
und alle Männer robben auf der Erde hinter ihr her.
Was soll ich da ??

Und scheinbar darum hat sie auch die Verabredung zurückgenommen.
Jedenfalls gab sie als Grund an, daß sie durch eine Freundin bei deren Kosmetikprüfung
als Modell vollständig entstellt worden sei (durch Gurkenmaske und Peelingcreme)
und wenn alles wieder verheilt wäre, riefe sie mich an.
Ich warte hoffnungslos !!
....................................und nicht lange.

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[8]
* Falk und die Frauen *

"Junge Liebe - schön aber nicht von Dauer."
"Warum nicht ?"
"Gibt's nicht."
"Kann doch aber vorkommen."
"Nicht auf diesem Planeten."
(TV-Serie "Due South")
 

Ich bin jetzt zu dem Schluß gekommen, daß Liebe gar nicht nötig ist.
Man trifft sich, man küßt sich, man verbringt die Nacht miteinander und man ist zusammen.
So geht es auch.
Also brauche ich jetzt nur noch eine gutaussehende, nette Frau
die mich auch gutaussehend und nett findet, dann können wir eine Beziehung haben.
Andere machen das so.

Das ganze hat den großen Vorteil,
daß ich so leichter wieder Schluß machen kann.
Vor allem leichter für mich.

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[4]
Einige halten Essen für eine bedeutende Sache.

Ich finde Essen ist nur die Befriedigung niederer Bedürfnisse:
Notwendig zum Überleben, aber bringt einen nicht wirklich weiter.

Das Glück am Wesen des Menschen ist doch nun mal,
daß er sich über seine eigenen Instinkte erheben kann.
Er kann sich mit Hilfe des Intellekt aus der Sklaverei seiner Natur befreien.
Ich glaube, wenn die Menschheit sich weiterentwickeln will,
muß sie sich von ihren Trieben lösen,
allerdings ohne sie zu tabuisieren oder zu negieren -
Sie muß sich selbst über deren Unsinnigkeit bewußt werden.
Aber die Menschheit ist erst an der Stufe angelangt,
sie zu tolerieren.

Essen ist mehr noch ein Übel,
das mich von den Hauptsachen aufhält.
Ich verschwende nicht gerne Zeit zum Essen,
aber ich muß meinen Körper nun Mal am Leben erhalten,
um meinen Geist nutzen zu können.

Sex ist für mich auch eine Spirituelle Erfahrung.
Wenn nur sie körperlich würde, müßte ich danach kotzen,
so sehr lehne ich sie ab.
Erst das geistige Empfinden macht Sex für mich zu einem Erlebnis.

Bei Essen verspüre ich aber keinerlei Anregung meines Verstandes.

Der einzige Sinn auf gesunde Art Nährstoffe zu sich zu nehmen ist,
lange Zeit einen Raum für geistige Genüsse zu haben.
Natürlich ist der Körper dabei auch ein Instrument,
um sich diese Seligkeit zu ermöglichen.
Insofern ist Körper und Geist schon eine untrennbare Einheit,
allerdings mit niederen und höherwertigen Bedürfnissen.

Insofern esse ich einfach wirklich nur,
weil ich Hunger habe, nicht weil es mir schmeckt.

Andererseits bin ich mir nicht sicher,
ob Besitzdenken oder Boshaftigkeit
eine richtige Richtung der Evolution sein kann.

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[5]

* Die Anekdote *

Wir waren lange Zeit so arm, daß wir uns keine Badewanne leisten konnten,
geschweigedenn einen Fernseher.

Als ich nicht mehr in das Waschbecken gepaßt habe, mußte ich oben bei meinen Großeltern baden;
Um Badewasser zu sparen, mit meinem Bruder zusammen oder schnell hintereinander.
Wenn wir nicht wieder das gesamte Bad unter Wasser gesetzt haben
- denn wir hatten uns eine Rutsche in die Badewanne gebaut -
dann durften wir danach bei meinen Großeltern das Sandmännchen anschauen.
(Es soll jetzt schon Leute geben, die nicht mehr wissen, wie das West-Sandmännchen aussah.
- Schämt Euch! Das aus dem Westen ist das einzig echte.)

Als ich noch jung war badete ich jeden Abend
und wahrscheinlich einige Male zu heiß.

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[6]
* Frage des Tages *

Auf zwei Feiern, von Filmleuten veranstaltet, (16.6. und 22.6.)
mußte ich jetzt feststellen, daß ich viel mehr Bier vertrage als in meiner Jugend.
Wie kommt das ?

Außerdem machte es mir seltsamerweise auch gar nichts aus,
bis zum nächsten Morgen (nach Sonnenaufgang) zu tanzen (17.6. und 23.6.).
Wie kommt das ?

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[9]
* Erlebnis des Monats *

Es ist total krank und ich werde auch schon psychosomatisch:

Überall, wo ich derzeit bin, begegnen mir alte Bekannte.

Als im am Samstag (2.6.) von dem Konzert der band "False Alarm" im K17 wußte,
überlegte ich noch, ob ich da überhaupt hingehen will,
weil mich das doch bestimmt nur wieder langweilen würde.
Und dann mußte ich feststellen, daß der Sänger der Band ein langjähriger Freund
von einem meiner Bekannten ist, mit dem ich meine Musik-Videoclips gemacht habe.
Und dabei war ich mir schon beim Theatertreffen der Jugend vorher nicht sicher über mein Erscheinen,
wo ich dann eben diesen Sänger zuerst traf.

Auf einer Film-Party sind mir dann Leute über den Weg gelaufen,
die ich aus meiner Anfangszeit beim Film her kenne.
(Alle haben groß Kariere gemacht:
   vom Brötchenschmierer zum Regieassistenten
   von der Requisitenhilfe zum Produzenten
und ich bin noch immer unentschlossen
Ich kenne auch Menschen, die gerade Ihr Abitur machten
und jetzt bald Anwältinnen sind.
Mit mir wird das nie etwas.)

Die Verflechtungen dieser Stadt machen mir Angst !

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[10]
Wie gut, daß ich nicht vor habe, meine Erbinformationen weiterzugeben.
Es wäre keine Freude für das Ergebnis, denn ich bin immer irgendwie krank.
Und immer ist es etwas, daß an meiner Veranlagung liegt.

So sieht es in mir aus :


       Quesadilla nach 9 Stunden                   Nichts nach 13 Stunden

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[11]
* Hinweis des Monats *

Am 2.6. und am 7.6. habe ich die Band "False Alarm" erleben dürfen.

Ich kann diese Musik nur jedem empfehlen.
Für mich klingt es sehr us-amerikanisch, aber perfekt.
Der Sänger gibt alles auf der Bühne und stürzt sich geradezu in die Songs.
FANTASTISCH !

Ich bin jetzt der Manager dieser Band und kümmere mich
um ihre Auftritte und um einen Plattenvertrag.
Dabei hätte sie durchaus das Zeug überregional sowie international bekannt zu werden,
da ihre Musik nicht auf die Angehörigen bestimmter Szenen beschränkt ist.

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[12]
* Gedicht des Monats *

Brücken der Demut

Wir stehen am Abgrund
und werfen unsere Fäuste
über den Horizont.

Mit gebrochenen Herzen
sehen wir ins unbekannte Land.

Der Weg ist nicht zuende.
Wir wagen weiter den nächsten Schritt.

                                             FWS 3.6.2001

Der Song, der mich zu dem Gedicht inspiriert hat
und dieses Bild assoziiert, hängt an.

+ Laßt Euch nie unterkriegen +
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Laßt Euch nicht von der Liebe beherrschen,
beherrscht das Lieben,

Euer treuer Freund Falk


William Orbit - Barber's Adagio for Strings.mp3