Rundschreiben 4/2001  
   
  Liebe Freunde,

Da bin ich wieder....

Ich bin ziemlich gerührt,
daß meine Rundschreiben bei Euch
so gut ankommen.

Ursprünglich waren sie nur gedacht,
damit ich nicht jedem das gleiche erzählen mußte.
Mittlerweile werden sie von einigen zur Kunstform
erhoben, dabei mache ich gar nichts anderes,
als ich selbst zu sein.

Es freut mich, daß immer mehr Leute
in den Kreis der Bezieher aufgenommen
werden wollen. Teilweise sind es sogar Fremde.
Werden meine Newsletter demnächst in der
Aktuellen Stunde des Bundestages diskutiert ?
 

[1]
Völlig überraschend (auch für mich selbst)
war ich kurzfristig für fünf Tage
in Buckow bei der Märkischen Schweiz.
Dort habe ich als Aufnahmeleitungsassistent
bei der Produktion eines Kurzfilmes geholfen.
Geld bekam dafür keiner,
aber ich mußte auch nichts bezahlen.
Es war halt so eine Art Freundschaftsdienst
für einen Freund, den ich bis dahin noch nicht kannte.
Wenigstens konnte ich ein wenig quatschen mit
Martin Semmelrogge.
Für mich das Urgestein des Deutschen Fernsehens.

"Feindesland"
Irgendwie habe ich es mit Kriegsfilmen.

Die Produktion selbst war sehr chaotisch.
Und die teilweise unprofessionelle Arbeit
hat mich richtig aufgeregt.
Es fielen auch böse Worte,
aber zum Abschied lagen sich dann doch wieder
alle in den Armen.

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[2]
Ich werde die nächsten Tage
ein bißchen bei der Produktion
von WerbeClips für eine Automarke
arbeiten.

Das bringt mich insgesamt wieder
kein Bißchen meinem Ziel näher.
Aber es ergibt sich eben,
daß ich Geld gut gebrauchen kann.

Insgesamt schwanke ich wieder
zwischen der Idee,
meine eigenen Projekte ernsthaft
umzusetzen, in der Form,
daß ich jetzt meine erstes Drehbuch
fertigschreibe,
und der Notwendigkeit,
endlich einen festen Beruf zu ergreifen,
um mein ordentliches Auskommen zu haben.
Selbst meine Ärztin meinte zu dem Thema,
ich würde nicht jünger werden.
Wie ist es da um mich bestellt ?

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[3]
* Freude des Monats *

Wie jedes Jahr zum 1. Mai
war auch diesmal mein Bruder
bei mir zu Besuch.
Ist er etwa ein Krawalltourist?

Nein, denn völlig staatskonform
haben wir dieses Mal hauptsächlich
die Stätten des politischen Wirkens
besichtigt.

Ich bin jetzt Stammgast
im Auswärtigen Amt,
weil ich für den Coffee-Shop dort
eine Abokarte bekam.

Außerdem hatte ich für uns
eine Führung durch den Plenarsaales
im Bundestag reserviert.

                     Man kennt mich dort !

Als wir VIPs an der langen Schlange
der Wartenden vorbei zum zweiten Eingang
schritten, stritten sich dort schon Besuchergruppen
mit dem Besucherdienst über Terminabsprachen.
Ich meinte zur verantwortlichen Dame,
daß ich eine Reservierung für gleich hätte.
Sie sagte: "Ah, Herr Schneider, kommen Sie rein."
Das ist echt wahr. So ist es wirklich passiert !

Unsere bevorzugte Anerkennung
bei den Wichtigen dieser Welt endete allerdings,
als wir aufgrund eines Empfanges
durch den regierenden Bürgermeister
nicht in das Rote Rathaus gelassen wurden.

Man hatte vergessen, uns einzuladen.

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[4]
Eigentlich hatte ich vor,
Euch als persönlicher Kriegsberichterstatter
aus dem Krisengebiet in Kreuzberg
über die Lage am 1. Mai aufzuklären.

Aber als ich dort ankam, verging es mir:
Das ganze ist nicht mehr als ein Straßentheater
mit der ewiggleichen Geschichte.
Eine Schmierenkomödie:
Aufgebrachte aber unbeteiligte Menschen
regen sich über die sichtbare Präsenz der Polizei.
Jede Kleinigkeit wird zur Provokation hochgespielt.
(Lesen Autonome eigentlich auch die Bildzeitung ?)

Aber das schlimmste sind eigentlich die Gaffer,
die sensationslüsternd nur darauf warten,
daß es etwas zu sehen gibt.
Das ist die eigentliche Spannung in der Luft:
Wann geht es los ?

Und es geht los, weil es muß.
Denn so viele Zuschauer verlangt geradezu nach
einer Selbstproduktion derjenigen,
die später als Helden darstehen wollen,
die aber schon viel zu spät gekommen sind.

Daran wollte ich mich nicht beteiligen.

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[5]
* Die Anekdote *

Noch eine Anekdote zu meiner Schulzeit:

Ich habe tatsächlich Physik als Hauptfach gewählt gehabt
und wir mußten eine Petition erstellen, daß dieser Kurs
überhaupt an unserer Schule angeboten wurde,
weil sich so wenige Schüler dafür interessiert hatten.
Warum bloß habe ich mich dafür interessiert ?
Viel verstanden habe ich zumindest nicht.
- Auch wenn ich beim Kaffeetrinken immer wieder
den Energieerhaltungssatz zitiere.

Bei Rückgabe der Abitur-Klausur meinte ich nur
zu meinem Lehrer:
"Entschuldigen Sie, Herr Doktor Thomas,
da haben sie doch die Null vergessen ?"

Ich bestand das Abitur trotzdem.
Allerdings mit der Folge,
daß meine Mutter mich nun ständig fragt,
warum ich überhaupt das Abitur gemacht hätte.
Das war aber damals gar keine Frage.
Was hätte ich denn sonst machen sollen ?

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[6]
* Frage des Tages *

Ich verstehe nicht,
warum so viele Menschen noch immer
Kinder in die Welt setzen.

So lange ich auch darüber nachdenke,
es fallen mir nur Gründe dagegen ein,
aber kein einziger logischer dafür.
a) Die Erde ist insgesamt überbevölkert.
b) Es gibt kaum eine sichere Zukunft.
c) Die Umweltverschmutzung nimmt global weiter zu.
d) Die Arbeitslosigkeit wird nicht mehr abnehmen.
e) Es hat sich seit der Steinzeit die Moral kaum entwickelt.
f) Die Verantwortung ist nicht zeitlich begrenzt.
g) Es macht persönlich unfrei und inflexibel.

Wenn Kinder Spaß machen,
machen keine Kinder auch Spaß.
Wer die Erfahrung möchte, ein Kind zu haben,
wird nie erfahren, wie es ist, kein Kind zu haben.
"Pissen ist auch ein schönes Gefühl" (Mein Vater)

Es ist ziemlich lächerlich,
wie sich die Menschen,
zum eifrigen Vollstrecker ihrer Biologie machen,
obwohl sie ein Gehirn zum Denken haben.

Was ist es also,
daß da nur noch das Geschlechtsbewußtsein regiert ?

Wenn in anderen Gegenden dieser Erde
Kinder ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor
zum eigenen Überleben darstellen, sollten wir doch
nicht auch noch unnötiger Weise neue produzieren.
Wer absolut nicht darauf verzichten kann,
der könnte doch ein Kind adoptieren.

Aber nein, so vernünftig ist es natürlich nicht:
Es muß schon das eigene sein
- wenn es auch gar nicht das eigene ist,
sondern das Kind nur sich zu eigen ist.
Bereits nach dem dritten Monat der Schwangerschaft
sind die Besitzrechte verfallen.

Ist es also der Wunsch des Menschen nach Ewigkeit ?
Sich selbst fortsetzend zu wissen ?
Ein Trugschluß !

Es ist die pure, archaische Natur,
die soetwas antreibt.
Also, laßt uns wild durcheinander herumficken,
denn um mehr scheint des dem Menschen heute
gar nicht zu gehen.

Würmer und Motten pflanzen sich auch fort.

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[7]
* Trauer des Tages *

Ich bin leider Frauen begegnet,
für die Sex ein Geben ist.

Schade, daß es soetwas immer noch gibt.

Solange es noch immer solch Unstimmigkeiten
zwischen den Geschlechtern gibt,
werden wir uns wohl nie verstehen.

Manche Frauen erhoffen sich,
durch ihre sexuelle Hingabe,
Liebe erkaufen zu können,
oder den Partner fester an sich zu binden.
Schade nur, daß dies gar nicht funktioniert.

Diese Frauen sollten es lieber ganz lassen.
Man macht doch nichts,
was einem selbst keinen Spaß macht.
Allerdings warten auch viele darauf
nach ihrem Tod ins Paradies zu kommen.
Genau wie viele sich an irgendeinen anderen
Menschen binden, nur um nicht allein zu sein.
Es ist sehr erbärmlich, sich in Abhängigkeit
zu begeben, weil die eigene Persönlichkeit
unterentwickelt ist.

Eine meiner frühen Freundinnen meinte dazu:
"Wer hier wen für seine Befriedigung benutzt,
das wäre noch zu diskutieren."

In diesem Fall macht es mir Spaß, benutzt zu werden.

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[8]
* Falk und die Frauen *

Mir ist nach reiflichem Überlegen jetzt
noch ein Mal meine drei Prinzipien bestätigt:

1. Niemals mit jemanden Zusammenziehen
2. Niemals heiraten
3. Niemals Kinder in die Welt setzen


Zu den Punkten:
1. Ich möchte wirklich niemanden ständig so nah bei mir haben.
   Außerdem gibt es Geheimnisse, die ich nur mit mir teilen möchte.
2. Es steckt trotz allem eine starke symbolische Bedeutung in der Heirat.
   So fest möchte ich mich nicht binden.
3. Ich brauche meine ganz persönliche Freiheit.
   Und da ist eine solche Verantwortung nur hinderlich.

Leider habe ich bisher die Erfahrung gemacht,
daß alle Frauen, mit denen ich zusammen war,
wenigstens einem dieser meiner Gefühle
wunschmäßig entgegenstanden.
Manche haben meine Entscheidung zwar eine Zeit lang
akzeptiert, letztendlich haben sie aber alle mich verlassen.

Weil ich überhaupt gar keine Diskussion um die Punkte erlaube,
möchte ich meine Favoritinnen immer gerne gleich darüber informieren,
denn ich will ihren Wünschen nicht im Weg stehen,
aber ich habe Angst, daß es so überhaupt keine Frauen gibt,
die zu mir passen.

Vielleicht sollte ich deshalb diese drei Punkte
gleich unmißverständlich auf die Rückseite
meiner Visitenkarte drucken ?
Mit dem Vermerk:
"Wenn Du mich trotzdem anrufen magst
- hier ist meine Telefonnummer...."

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[9]
* Falk und die BerliKomm *

Zu meinem erfreuten Staunen
stellte ich auf der letzten Rechnung fest:
Obwohl ich im letzten Monat alleine
210 Stunden (!) im Internet war,
Betrug meine Gesamtrechnung
(inkl. FlateRate) nur 103,- DM.

Danke.
http://www.berlikomm.de
http://www.berlinweb.de

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[10]
* Erlebnis des Monats *

Es war ein Erlebnis,
daß der Monat April
so schnell vorbei war,
wobei ich so viel tun wollte,
aber den Dingen, die sich ergaben,
erlag.

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[11]
Vom 22.Mai bis zum 26.Mai
bin ich in Marburg,
der Stadt, wo ich einen großen Teil
meiner Kindheit verbracht habe,
weil dort die Mutter meiner Mutter lebte,
bis sie zu meiner Mutter zog.

Da nun The Beautiful Disease dort
am 25. Mai 2001 auftreten,
nutze ich die Gelegenheit,
mich von den Erinnerungen inspirieren zu lassen.

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[12]
* Hinweis des Monats *

Ab demnächst wird meine persönliche Homepage
unter "brockenblick.pp.ru"
fest zu erreichen sein.

Ich teile noch mit,
wann es genau so weit ist.
 

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Scheinbar ist es von einigen noch nicht
ausreichend gewürdigt worden.
Die Animation, welche ich Euch für Ostern machte,
habe ich selbst programmiert.
Die Originalzeichnung hingegen stammt nicht von mir.
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!! ACHTUNG !! ACHTUNG !! ACHTUNG !!
Es wird demnächst hier ein Gewinnspiel geben.
Nach der Idee einer guten Freundin
wird es Fragen zu den vorhergegangenen
Rundbriefen geben.
Bereitet Euch vor !
!! ACHTUNG !! ACHTUNG !! ACHTUNG !!
 

Gemein, aber gut:
http://www.fthode.de

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[13]
* Gedicht des Monats *

Sommersage

Draußen klagte die Nachtigall
über den fehlenden Sommer

In dieser Nacht
erinnerte ich mich,
wie göttlich es war,
dich an mir zu halten
im kalten Wasser,
wo die Sonne nie untergeht.

Als die Lerche lachte
war das Märchen vorbei.

                          FWS 27.3.2001

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Zu den hier immer wieder am Ende
veröffentlichten Gedichten möchte ich sagen,
daß sie an sich natürlich ganz neu geschrieben sind,
nur wenn mir zu einem Thema im Rundschreiben
ein passendes Gedicht einfällt, das ich schon habe,
werdet Ihr dieses zu lesen bekommen.

Euer treuer Freund Falk