Rundschreiben 1/2001  
   
 

Meine lieben Freunde und Freundinnen,
liebe Verwandte,

jetzt hat wohl keiner mehr damit gerechnet,
am wenigsten ich selbst,
daß es mit dem Rundschreiben
in diesem Monat noch etwas wird.
 

Was ist passiert ?
Ist Falk Vater geworden,
weil er jetzt auch Verwandte
mit seinem Rundschreiben anspricht ?

So weit kommt's noch.

Nein, aber ich hoffe,
daß jetzt auch meine Mutter Online ist,
nachdem ich Ihr einen Computer
angeschafft habe.

[1]
* Erlebnis des Monats *

Was für ein Spaß.
Der hat mich doch tatsächlich mein gesamtes Geld gekostet.

Und dabei fing alles so harmlos an:
Das Reservieren eines Fahrzeuges in der mir entsprechenden Klasse,
also der gehobeneren Mittelklasse
(Ist gar keine so große Aufschneiderei, gell ? )
im Internet war total einfach, bequem und überraschend,
da bei wesentlich günstigeren Preisen in der Selbstbestellung
ein BMW 320d gar nicht viel mehr als eine Pobel-Corsa kostet.

Ich wollte es halt auch schon ein bißchen eleganter und schicker haben.
(Eben zu mir passend.)

Wie fast immer bei EuropCar, schon beinahe klassisch,
gaben sie mir natürlich ein Auto der Luxusklasse,
für den ursprünglich bestellten Preis,
weil sie kein Auto in der unteren Klasse mehr da hatten.
(Für was man da vorbestellt ?!)

Mir war das natürlich recht,
doch in meiner Einfalt fragte ich nur, als die Bearbeiterin sagte:
"Ist aber ein Cabrio. Sie müssen das Verdeck aber nicht aufmachen",
"Kein Problem, wenn der Wagen Klimaanlage und ein Cassettenspieler hat."

Oh, Mann, ist der doof
= Nicht mal mein Koffer paßte in den Kofferraum.
Letztendlich paßte eigentlich gar nichts in den Kofferraum
außer dem Gepäcknetz.

Ich schleppte also alles,
bereits schon am Tag vorher fertig eingepackt,
aus meiner Wohnung im vierten Stock
(Nur zur Erinnerung.)
runter ins Auto, daß in zweiter Reihe hielt (!),
weil es natürlich kein Parkplatz vor meiner Wohnung gab.
den hätte ich vielleicht auch am Tag vorher
oder besser bei EuropCar reservieren sollen.
(Deren Parkplatz ihrer Filiale am Alexanderplatz
liegt am Ostbahnhof. Aber mit Shuttleservice.)

Während sich die Arbeitslosen aus dem Arbeitslosencafe
die Augen aus dem Kopf schauten, wie so ein junger Schnösel
sich so einen Wagen leisten kann,
- Das neuste Mercedes CLK Cabrio -
stopfte ich den Computer auf die Hinterbank und
schnallte den Monitor auf dem Beifahrersitz fest.
Als ich mit dem vorletzten Teil wieder zum Auto gelangte,
stand die Polizei hinter mir, und welch junge Schnösel.
Jetzt hatten die Arbeitslosen endlich wieder
einen Moment der Freude in ihrem tristen Leben.
Aber da bleibe ich locker:
"Sind Sie wegen mir da ?" - "Ja."
Eigentlich mußte es so kommen,
denn so kommt es immer.
Aber da bleibe ich locker.
Da gibt's auch keine Ausreden bei mir.
Ich weiß, was ich tue und ich stehe dazu.
(Freiheit für Nelson Mandela)

Aber ich bat um Verständnis für meine Situation.
Die Polizisten verlangten nach dem Fahrzeugschein und dem Führerschein.
Wie das eben so ihre Art ist.
Ich mußte den Fahrzeugschein erst suchen
und wies deshalb darauf hin, daß das ein Mietwagen sei
und nicht von mir gestohlen worden war.

Dann mußte ich meinen Führerschein aus meiner Wohnung holen
und brachte gleich das letzte Teil zum Einladen mit.
Mittlerweile waren die Polizisten guter Dinge:
"Wir verstehen nicht, warum jemand sich ein solches Auto mietet,
wenn er einen Computer transportieren will." -
"Ich wollte eigentlich auch ein anderes, aber sie hatten keines."
Weil sie das so lustig fanden, fuhren sie wieder weg.
Und die Arbeitslosen zogen sich trübe zurück.

--------------------------
[2]
Auf der Fahrt nach Mühlheim,
mußte ich dann erkennen,
daß es leider in Deutschland
kaum noch Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung gibt.
"Freie Fahrt für freie Bürger !"

Aber auf einigen Abschnitten konnte ich dann doch
230 km/h fahren.
(Die Überholspur ist mein Revier.)

Eigentlich habe ich nicht sehr viel übrig für Autos
und im Gegensatz zu den anderen Arbeitslosen
hätte ich meinen Kaffee nicht kalt
oder mein Bier warm werden lassen,
denn über solchen nebensächlichen Dingen
(Also nicht wie Sex, was ja die Hauptsache ist.)
muß man einfach locker drüber stehen,
es gibt Wichtigeres, zum Beispiel Frauen, aber
dieser Wagen ist Oberaffentittengeil !!!!
Ich fahre nie wieder etwas anderes.
Und wenn ich die Wahl hätte zwischen
einer Freundin und diesem Auto,
ich würde das Auto nehmen.
(Wer braucht Frauen? Wer braucht Sex?)

--------------------------
[3]
Ein klasse Fahrgefühl !

Dafür hat dann schon allein das Benzin
für eine Richtung soviel gekostet,
wie die Hin- und Rückfahrt mit dem ICE.

Das mache ich nie wieder.
Oder doch.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich hoffe nur, daß meine Mutter
den Computer jetzt wenigstens
auch benutzt, denn irgendwie
bin ich selbst für das Benzin
aufgekommen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
 

--------------------------
[4]
Ich habe mir für dieses Jahr ein paar gute Vorsätze gemacht:
- Ich will mehr leben und erleben
- Ich will rausgehen und mich in neue Situationen begeben
- Ich will mehr mit meinen Freunden zusammen sein
- Ich will Arbeiten

Denn mir ist klar geworden,
daß irgendwie bei mir eine Stagnation eingetreten ist.
Es passiert nichts Neues.
Das kann sich nur ändern,
wenn ich meine momentane Lebenssituation
verlasse.

--------------------------
[5]
* Frage des Tages *

Findet Ihr, daß ich seltsam werde ?
Lebe ich vielleicht schon zu lange allein ?

Bitte seid offen zu mir
und schreibt mir ehrlich,
was Ihr meint.

Danke !

--------------------------
[6]
* Freude des Monats *

Das war das Weihnachtsgeschenk von meinem Bruder:


"Nie vergessen, an Holm zu denken! Holm ist Dein Bruder!
Mein Vertrauen in Dich ist grenzenlos! Holm hat Dich lieb!"

Das hat mich sehr berührt.

"Seien Sie nett zu ihren Geschwistern.
Sie sind die beste Verbindung zu Ihrer Vergangenheit
und werden am ehesten auch in Zukunft zu Ihnen halten."

--------------------------
[7]
* Trauer des Tages *

Leider ist der Januar nun schon wieder vorbei.

Kaum daß das Jahr angefangen hat,
sind wir auch schon mittendrinnen.
Irgendwie ging das in diesem Jahr sehr schnell.

Oder nehme ich mit zunehmenden Alter
bloß das Vergehen der Zeit deutlicher wahr ?

Ich will nicht alt werden.

Aber zumindest bin ich in diesem Monat
gar nicht so richtig dazu gekommen,
mich um meine neuen Vorsätze zu kümmern.

Irgendwie ist die Zeit mit Behörden und Papierkram vergangen.
Ich kam selbst nicht dazu,
diesen Rundbrief fertigzustellen.

Außerdem bin ich von einer inneren Unruhe gepackt,
die aber nichts mit meinem Kaffee-Konsum zu tun hat.
=> Ich will einige alte Sachen hinter mir lassen,
ich will weitergehen, ich will nicht bei dem Ewiggleichen hängenbleiben.

Seltsam: Was mir noch im letzten Jahr so wichtig schien,
ist es jetzt nicht mehr.
Vielleicht ist es schon noch wichtig, aber ich spüre es nicht mehr,
weil anderes wichtiger ist.
Was das ist, weiß ich nicht.
Ein neuer Anfang !?

Ich will leben.

--------------------------
[8]
* Falk und die BerliKomm *

Ich bin schon richtig.

Ich habe meine Flaterate sehr intensiv genutzt.
Es ist schon gut, zu wissen, daß es nicht mehr kostet,
wenn ich mehr im Internet bin.

Ich bin sehr froh, daß ich diese Zeit noch so nutzen kann.

Und ein großes Übel wurde abgewendet:
Ab März verlangt die BerliKomm dreisterweise
für jede Minute Online 1 Datenpfennig.
Mein Internetprovider übernimmt diese Kosten
für seine Kunden.

Ob er sich da nicht übernimmt ?
Ich bezahle 49,- DM im Monat
und könnte die Firma 432,- DM kosten
oder dürfte nur 82 Stunden Online sein.
Mein Ziel deshalb: mehr als 3 Stunden
pro Tag im Netz.

Das ist aber auch wirklich eine unverschämte
Lüge der BerliKomm: "alles inklusive."
Und meine ganzen Freiminuten brauche ich auch nie auf.
Ich muß mehr telefonieren.

Eigentlich müßte sich das Kartellamt einschalten.

Sollte irgendwann wieder der Zeittarif eingeführt werden,
boykottiere ich das Internet.
Da ist sowieso nichts Interessantes mehr drin.
Ich habe schon alles.

--------------------------
[9]
* Falk und die Frauen *

Als ich demletzt in Mainz mit Freunden
in einer Kneipe saß,
bediente dort wirklich ein wunderschönes Mädchen,
zart, klein und jung.
Also genau mein Typ und meine Größe.

Aber das Auffälligste war,
daß mein Freund jedes mal über mich lächelte,
wenn sie an unserem Tisch gewesen war.

Manchmal glaube ich,
eine Leuchtreklame auf meiner Stirn zu haben.

Schön, so gut gekannt zu sein.

=====================================
  Ich habe sie nie wieder gesehen,
aber ich habe immer von ihr geträumt.
=====================================
 

--------------------------
[10]
* Hinweis des Monats *

Ich brauche dringend Geld !!

Scheinbar haben sich alle Gläubiger gegen
mich verschworen:
Denn zudem, daß all mein Weihnachtsgeld
für obiges Abenteuer draufging, meinte
jede Firma und Versicherung ihren fälligen
Betrag ausgerechnet im Januar abzubuchen.

Eigentlich müßte sich das Kartellamt einschalten.

Ich hungere (bald) !
Ruft Amnesty International !
(Freiheit für Nelson Mandela)

Wenn jemand einen ernsthaften
Einfall für einen kurzfristigen Job
für mich hat, möge er bitte sprechen.

--------------------------
[11]
Seit Dezember bin ich nicht mehr regelmäßig gejoggt.

Ich schaffe es einfach nicht über 30 Minuten zu kommen.
Auch wenn ich willens gestartet bin,
bin ich dann echt am Ende.

So kann das nicht bleiben.

Es muß was passieren.

Ich will schön sein.

--------------------------
[12]
* Gedicht des Monats *

Ein Jahr weiter

es gibt keine Fragen mehr
es ist wie es ist
und nichts will es ändern

vielleicht zuletzt zuviel gewollt
auch das ist vergangen

es bleibt die Trauer
daß nichts bleibt
und der Schmerz
der durch die Stille kommt

Tränen machen blind
so zeigt sich aus dem Stolpern
kein Ausweg

                                 FWS 8.6.1999

--------------------------

Ist es Trauer die mein Herz bedrückt ?
Ist es der ungewisse Blick in eine neue Zeit,
in der ich alles hoffen kann,
aber doch nicht bekomme ?

Oder ist es die Kälte,
die nach meinem Herzen greift,
um noch wegzunehmen,
was mir zuletzt bleibt
 

"Man treibt mit Horror keinen Spaß."
Laßt Euch nicht verwirren,

Euer treuer Freund Falk


Sonnencreme.wav